Ich bin Fari und ich muss euch etwas erzählen. Gestern Abend musste ich im Stall niesen – und zwar genau in dem Moment, als Petra ihre letzte Stallrunde drehte. Das macht Petra jeden Abend, wenn auch nicht immer zur gleichen Zeit. Hätte ich gewusst, dass sie gestern früher kommt, hätte ich mein Niesen vielleicht auf später verschieben können. Ich musste niesen, weil die Diva wieder so im Streu gescharrt hatte, dass mir Staub in die Nase geflogen war. Die Diva scharrt abends immer im Streu auf der Suche nach Futter, bevor sie ganz nach oben auf die Stange unter das Dach fliegt. Manchmal fliege ich zu ihr hoch.

Gestern war ich noch am Überlegen, ob ich hochgehen soll. Das Abendlicht war noch an und wir hatten Zeit, uns zu überlegen, wo wir schlafen möchten. Also hockte ich erst einmal unten auf der Stange neben Dusty und Big Chicken. Das sind derzeit unsere Bosse im Stall, und es ist taktisch klug, sich gut mit ihnen zu stellen. Die beiden verteilen abends ein wenig das Futter im Stall. Normalerweise macht das Mr. Propper, der auch tagsüber im Auslauf alles im Blick hat, aber in der Nacht ist er derzeit in unserer Pflegestation. Ich war noch nie dort, bis gestern. Mr. Propper hatte uns hin und wieder davon erzählt, und ich war schon ein bisschen neidisch, dass ich dort noch nie gucken durfte.

Und gestern war es dann so weit: Ich hörte Petra kommen und freute mich schon. Wenn Petra in den Stall kommt, erzählt sie uns immer leise etwas. Dann krault sie uns am Bauch, während wir ganz leise gackern und gurren. Das ist unser kleines Nachtritual, bevor wir schlafen. Petra zählt uns alle durch, sagt unsere Namen und sagt manchmal: „Ihr seid so süß, meine kleinen Engelchen. Bis morgen.“ Dann berichtet sie uns, ob sie am nächsten Tag arbeiten muss oder frei hat und wie das Wetter wird. Danach können wir entspannt schlafen.
Gestern musste ich nun niesen – einmal und dann gleich noch einmal. Petra stutzte. Sie schaute jedes Huhn noch einmal extra an, und alle waren plötzlich ganz still. Dann nahm sie mich auf den Arm. Das macht sie immer sehr vorsichtig und sanft, sodass ich mich sicher fühle. Sie sagte: „Ich nehme dich lieber mal mit in die Pflegestation. Ich möchte sehen, ob du noch mehr niesen musst.“
Da war ich nun richtig gespannt: Endlich einmal dort schauen, wo Mr. Propper und Dusty die Nacht verbringen! Wir gingen hoch und Petra setzte mich in einen großen Käfig. Dort gab es ein hübsches Legenest, einen Baumstamm, Grünzeug und Futter, das schon in der Ecke bereitstand. Daneben war ein ganz großes Gehege, in dem Mr. Propper und Dusty wohnten. Die beiden wohnen dort zusammen, aber das ist eine andere Geschichte.
Ich begrüßte die beiden leise, und Mr. Propper übernahm direkt die Unterhaltung. Er schien sehr aufgeregt zu sein, und ich hatte das Gefühl, dass sich die beiden extrem freuten. Während wir uns unterhielten, ging Petra noch einmal hinunter, um ihre Stallrunde fertigzumachen. Mr. Propper erzählte mir derweil: „So ist es immer, gleich kommen wir dran!“ Und Dusty fügte hinzu: „Petra bringt gleich Futter, freu dich drauf. Hier oben gibt es immer eine extra Portion Leckerchen, das Futter ist hier wirklich extrem gut.“
Ich musste kurz nachdenken, denn im Stall ist das Futter eigentlich auch schon sehr gut. Petra bereitet uns jeden Abend Leckerbissen wie Soldatenfliegenlarven zu, und Weizensprossen gibt es jeden Tag. Ich war also sehr gespannt. Ich hörte Petra unten reden – irgendwie spricht sie ja immer mit irgendwelchen Tieren. Unten wohnt Truman, der Hofhund. Ein lieber Wuschel, ein bisschen wie die Diva, nur viel größer. Manchmal guckt er im Stall nach Eiern, aber das darf er nicht mehr, Petra hat es verboten.

Ich hörte, wie er sein Futter bekam, und dann brachte sie uns das Extra-Futter. Das Körnerfutter, das in meinem Bereich stand, hatte ich längst aussortiert. Ich picke mir ja nur das Gute heraus, besonders die Erbsen mag ich sehr. Der Rest bleibt erst einmal liegen, bis ich sehe, was noch kommt. Das machen wir im Stall auch so, die Diva hat uns das so beigebracht.
Petra stellte mir nun das Futter hin. Ich wusste ja schon, dass es Thymian- und Oregano-Kräutersaft gibt – den gibt Petra uns immer, wenn Erkältungszeit ist. Aber dass es auch eine kleine Portion Nudeln und Rindfleisch gab, fand ich richtig toll! Es war so lecker. Dusty und Mr. Propper erzählten mir, dass es jeden Abend etwas zur Stärkung gibt und dann noch so eine Leckerei – nicht unbedingt gesund, aber extrem lecker. Nudeln zum Beispiel lieben wir alle, und Petra sagt immer: „Nudeln machen glücklich.“
Ich habe alles schnell weggefuttert, mich dann ins Legenest gekuschelt und den anderen gute Nacht gesagt. Ich war nun doch sehr müde, es war ein aufregender Tag für mich. Petra machte das Licht aus und wir schliefen tief und fest. Heute Morgen schien die Sonne. Petra kam, um uns alle nach draußen zu bringen. Dort warteten schon die anderen Hühner, die Enten und Truman, der bereits in der Sonne lag.
Petra sagte noch zu mir: „Du bist so eine liebe, ruhige und entspannte Fari.“ Ich überlegte kurz, ob ich heute Abend noch einmal niesen sollte, um wieder in die Pflegestation zu kommen. Aber dann dachte ich mir, dass Petra sich dann Sorgen macht, und das möchte ich nicht. In der Nacht musste ich auch gar nicht mehr niesen. Heute will Petra den Stall befeuchten. Wir haben dort Waldboden drin, und im Sommer macht sie das regelmäßig. Das duftet dann besonders gut nach frischen Kräutern.
Als ich so über den Hof spazierte, dachte ich mir, ich erzähle euch das alles mal. Habt einen schönen Tag und ganz liebe Grüße vom Hof!